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Quelle: ST vom 26.05.1956
Zehn Jahre Krankentransport in Plettenberg
Plettenberg. Am 1. Juni jährt sich zum zehnten Male, dass
im Auftrag der damaligen Militärregierung der Krankentransport
und Rettungsdienst durch die Feuerwehren ins Leben gerufen wurde.
Diesen Tag haben wir zum Anlass genommen, um einmal mit den
Männern, welche in Plettenberg diesen selbstlosen Dienst
versehen, über den Werdegang der hiesigen Station in den zehn
vergangenen Jahren zu plaudern.
Es dürfte nur wenigen Einwohnern Plettenbergs noch in Erinnerung
sein, dass bis zur Beendigung des letzten Krieges im Jahre 1945
nur ein Krankenwagen zur Verfügung stand, welcher vom DRK betreut
wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es in Plettenberg keine Tag
und Nacht besetzte Station, sondern der Fahrer dieses Krankenwagens,
Herr Wilhelm Hoffmann, arbeitete nebenbei noch bei der Firma
Graewe & Kaiser und musste im Bedarfsfall jeweils von dort
angefordert werden.
Nach Kriegsende ging man nun seitens der englischen Besatzungsmacht
daran, in der damaligen britischen Zone einen Krankentransport
und Rettungsdienst nach englischem Muster aufzustellen, dessen
Aufgabengebiete genau festgelegt wurden. Da man in England keine
freiwilligen Feuerwehren, sondern nur Berufsfeuerwehren kennt und
diese eben auch den Krankentransport und Rettungsdienst versehen,
wurde dieses Schema auf deutsche Verhältnisse übertragen. Auch in
kleineren Städten musste nun die Feuerwehr, wie in allen Großstädten
Deutschlands, diesen Dienst übernehmen.
Die Kreisbrandmeister wurden nun mit der Aufgabe betraut, eine voll
einsatzfähige Station in den Städten Plettenberg, Altena, Werdohl,
Meinerzhagen und Brügge zu erstellen. In den damaligen schlechten
Zeiten nach dem Kriege schien dieser
Nachdem endlose, sich über Monate hinziehende Verhandlungen des
damaligen Kreisbrandmeisters Albert Kohlhage mit den zuständigen
Stellen der deutschen Aufsichtsbehörde erfolglos blieben, schritt
dieser kurzerhand und entschlossen im Interesse der immer mehr
durch den Flüchtlingszustrom anwachsenden Plettenberger Bevölkerung
im Jahre 1946 zur Selbsthilfe und gründete im Einvernehmen mit
sämtlichen Einheitsführern der Feuerwehren im Kreis Altena innerhalb
der Feuerwehr ein Privatunternehmen. Das notwendige Kapital wurde
von privater Seite zur Verfügung gestellt. Die Abrechnungsstelle
wurde bei dem derzeitigen stellv. Kreisbrandmeister Walter Goseberg
in Kierspe-Bhf. errichtet. Am 1. Juni 1946 war es dann endlich so
weit, dass in jeder der genannten Städte eine Tag und Nacht
besetzte Station eröffnet werden konnte und die noch vorhandenen,
vom Krieg verschonten Krankenwagen vom DRK übernommen werden konnten.
Zum Teil wurden, wie in Plettenberg, auch die alten Fahrer übernommen,
so dass Herr Hoffmann in diesem Jahr auf eine 26-jährige Fahrertätigkeit
als Krankenwagenfahrer zurücklicken kann. Herr Hoffmann wird Ende
dieses Jahres die Altersgrenze erreichen und in den wohlverdienten
Ruhestand treten.
Nachdem die Fahrzeuge vom DRK übernommen worden waren, gab es für die
Männer eine Zeit harter Arbeit. Sei es die Beschaffung von Reifen,
Benzin oder Ersatzteilen oder die Ausführung der vielen, vielen Transporte.
Alles musste im Interesse der kranken Menschen reibungslos klappen. In
dieser Zeit wurde von den Männern fast Unmögliches verlangt. Tag und
Nacht, ob Sonntag, Feiertag oder Alltag mussten sie zur Stelle sein.
Da gab es nur eines: anfassen und durchhalten! Hier offenbarte sich
der wirkliche Idealismus dieser Männer, denen die Plettenberger
Bevölkerung ihre Achtung und Anerkennung nicht versagen sollte.
In diesem Zusammenhang sei nochmals die hervorragende Zusammenarbeit
mit dem verstorbenen Kreisbrandmeister Albert Kohlhage und dessen
damaligen Stellvertreter Walter Goseberg erwähnt. Ohne diese Zusammenarbeit
wäre es niemals möglich gewesen, den Krankentransport und Rettungsdienst
so aufzubauen, wie er heute uns allen eine liebgewordene Selbstverständlichkeit
ist.
Bei der Übernahme der Stationen war jeweils lediglich ein leeres Zimmer
vorhanden, in dem sich die Fahrer notdürftig aufhalten konnten. Auch das
Feuerwehrgerätehaus im Wieden hatte unter den Einwirkungen des Krieges
gelitten, so dass keine Unterkünfte für die Männer und die Fahrzeuge
zur Verfügung standen. In zum Teil eigener Handarbeit wurden damals die
Garagen von den Männern in zusätzlicher Arbeit wieder aufgebaut. An
dieser Stelle seien die Verdienste des vor einigen Jahren leider verstorbenen
Fahrers Otto Nölle sowie des heute noch beim Krankentransport tätigen
Fahrers Helmut Groß besonders hervorgehoben. Der uneigennützigen
Einsatzbereitschaft dieser beiden Männer war es zu verdanken, dass trotz
aller Widerwärtigkeiten und Schwierigkeiten immer ein Fahrzeug fahrbereit
zur Verfügung stand, so dass jedem Plettenberger Bürger im Rahmen des
damals Möglichen geholfen werdne konnte. Herr Groß begeht am 1. Juni 1956
sein zehnjähriges Dienstjubiläum. Die beiden anderen Fahrer, Erich
Kalthoff und Karl Heßmer, kamen erst in den Jahren 1948 bzw. 1950 zum
Krankentransport und sind auch heute noch hier tätig.
Bis zum Jahre 1948 blieb der Krankentransport im Kreise Altena ein
Privatunternehmen der Feuerwehr. Im Verlaufe dieser zwei Jahre war nun
auch die Aufsichtsbehörde zu der Einsicht gekommen, dass es besser sei,
diesen Krankentransportdienst als weitere Dienststelle zu übernehmen
und der Kreisverwaltung in Altena anzuschließen. Im November 1948
übernahm dann die Kreisverwaltung den Krankentransport und Rettungsdienst
im ganzen Kreis Altena.
Infolge der ständig steigenden Einwohnerzahl der Stadt Plettenberg wurden
die Leistungen der Krankentransportstation Plettenberg von Jahr zu Jahr
größer. Die nachstehend aufgeführten Zahlen sollen den Plettenberger
Bürgern einen Einblick in die Leistungen der Station geben. Jeder kann
sich dann einmal Gedanken darüber machen, welche unendliche Kleinarbeit
und Sorgfalt hinter diesen ausgeführten Transporten steht.
Durch diese unermüdliche Arbeit aller Fahrer wurde es gerade im Jahre
1955/56 erreicht, erstmals in einem Jahr mit zwei Fahrzeugen über
100.000 Kilometer zu fahren. Das ist eine Leistung, wie sie bisher von
keiner anderen Station im Kreis Altena erreicht wurde. Diese riesige
Strecke entspricht dem zweieinhalbfachen Umfang des Erdäquator! |