Quelle: ST Plettenberg vom 22.09.1962
Wilhelm Benfer lebt in seinem Werk fort
Plettenberg-Ohle. In den gestrigen Mittagsstunden ist Hauptlehrer
Wilhelm Benfer plötzlich und überraschend für alle seine Angehörigen
und Freunde in die Ewigkeit abberufen worden. Der im letzten Dienstjahr
stehende Schulleiter der Gemeinschaftsschule in Ohle ist damit kurz
vor Erreichen seines wohlverdienten Ruhestandes aus seiner Arbeit
herausgerissen worden. Das bedeutet nicht nur für die von ihm geleitete
Schule, sondern für die Natur- und Heimatfreunde weit über den Rahmen
Plettenbergs hinaus einen schweren, schmerzlichen Verlust.
Mit dem Einsatz seiner ganzen Person und mit dem ihm eigenen idealistischen
Schwung hat Wilhelm Benfer seinem Beruf und seinen Schülern gedient. Die
ehemaligen Schüler werden ihren Lehrer nicht vergessen. Dafür sorgte
Wilhelm Benfer durch seine persönliche und väterlich-gütige Art in
seinem pädagogischen Wirkungsfeld. Seit dem 5. Dezember 1918 ist der
hingeschiedene Lehrer in Plettenberg und hat an der Breddeschule und
Martin-Luther-Schule unterrichtet, bevor er 1954 als Schulleiter nach
Ohle ging. Ostern nächsten Jahres wäre er mit 65 Jahren pensioniert
worden.
Über die eigentlichen Berufsaufgaben des Lehrers hinaus hat er an
mehreren Stellen und auf verschiedenen Gebieten zum Wohle der
Allgemeinheit gewirkt.
Mit der "Häher"-Gemeinschaft, die Geist von seinem Geist war, und als
junge Kampftruppe des Naturschutzes in Deutschland ihresgleichen
sucht, hat sich Wilhelm Benfer in besonderem Maße ein bleibendes
Denkmal gesetzt. Bleibende Erlebnisse waren die jährlichen Feierstunden
am Geburtstag Albert-Schweitzers, bei denen ein eindrucksvoller Rückblick
auf die Naturschutzarbeit des abgelaufenen Jahres gehalten wurde. Die
großen Zahlen der in freiwilliger Arbeit von der Jugend hergestellten
Futter- und Nistkästen mussten immer wieder imponieren. Unvergesslich
bleibt auch seine Fürsorge für das Naturschutz-Gebiet im Märzenbechergrund
bei Schloss Brüninghausen, wo seine Häher im Frühjahr treue Wache
hielten, damit dieses Kleinod der Heimatnatur nicht frevlerisch zerstört
werde.
Innerhalb und außerhalb seiner Schulwelt hat er ein großes Wirkungsgebiet
einzigartig und einmalig in seiner Art bearbeitet. In der Zusammenarbeit
mit Behörden und Verwaltungen, mit den Nachbarschulen und dem SGV und
in der Idee und Aufgabe der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald stehend -
deren Ehrennadel ihm verliehen worden ist - war er vorbildhaft und selbstlos
der Förderer und Erzieher zur Ehrfurcht vor Gottes Schöpfung. Voll Energie
und Tatkraft, ohne eigene Schonung und mit der ganzen Weite seines
Könnens und Wissens hat der Verstorbene gewirkt.
In der Gemeinschaftsschule in Ohle zeigen viele Kästen mit Anschauungsmaterial
die beispielhafte Liebe und Hingabe, mit der sich der nun Heimgegangene
immer wieder bemühte, den Kindern die unendliche Schönheit der Natur zu
erschließen. Nicht vergessen sei aber auch seine Tätigkeit als Leiter der
Außenstelle Ohle der Volkshochschule, in welcher Eigenschaft er gerade in
den letzten Jahren immer wieder bemüht war, wertvolle Vortragsabende auch
in Ohle durchführen zu lassen.
Bis in seine letzten Lebenstage war der Naturschutz für Wilhelm Benfer eine
Herzensangelegenheit. Erinnern wir uns nur an die schöne Ulme am
Bahnhofsvorplatz, um deren Erhaltung er sich durch Veröffentlichungen in
der Heimatzeitung ebenso bemühte wie etwa um das Gelingen des Vorgarten-Wettbewerbs
in Ohle.
Ein besonderes Wort des Gedenkens sei bei dieser Gelegenheit auch dem
langjährigen und treuen Mitarbeiter des Süderländer Tageblatts gewidmet.
Wilhelm Benfer hat durch seine vielen heimatkundlichen Beiträge in der
Heimatzeitung wesentlich dazu beigetragen, Heimatbewusstsein und Naturverbundenheit
in unserer Bevölkerung zu wecken und zu stärken. Auch das wissen ihm das
ST und seine Leser zu danken.
Seine Freunde und Kollegen haben das Ausmaß seiner Anstrengungen für den
Dienst und seiner Hingabe für die fördernden Aufgaben des Naturschutzes
bewundern gelernt. Der jungen Erzieher-Generation können Männer wie
Wilhelm Benfer um seiner Einsatzfreude und seiner Leistung willen Vorbild
sein.
Wilhelm Benfer hat in der Kirchengemeinde, Stadt und Schule, im Arbeitsfeld
seiner Berufung und Kraftfeld seiner Fähigkeiten, auch im Bereich seines
Lehrerverbandes, seinen Dienst zu Ende getan. Sein Name wird weiterklingen.
Die große und herzliche Anteilnahme an diesem Abruf zeigen das Maß der
Beachtung, Verehrung und des Rufes dieses Mannes auf.
Sein Lebenslauf ging über Höhen und Tiefen. Aus der Fülle seiner Lebenserfahrungen
ist der Pädagoge und Naturfreund Wilhelm Benfer ein gereifter, zielbewusster
Mann geworden, der sein Leben dankbar aus Gottes Hand genommen hat und
bemüht und bereit war, es im Bemühen um seine Bewährung in dieser Welt jederzeit
zurückzugeben.
Die Bevölkerung unserer Stadt und insonderheit alle Freunde der Heimat und des
Naturschutzes nehmen in Wehmut und tiefer Trauer von ihm Abschied in dem
Bewusstsein, dass die Lücke, die er hinterlässt, sich so bald nicht schließen
wird. Fri
Quelle: Süderländer Tageblatt vom 06.12.1958
40 Jahre im Dienste des heimischen Schulwesens
Plettenberg. Auf eine vierzigjährige Tätigkeit als Pädagoge
und Erzieher konnte gestern der Leiter der Gemeinschaftsschule
Ohle, Hauptlehrer Wilhelm Benfer, zurückblicken.
Hauptlehrer Wilhelm Benfer trat am 5. Dezember 1918 aktiv in
den Schuldienst ein. Zunächst war er einige Wochen an der
Holthauser Schule tätig, kam jedoch bereits im Januar 1919
nach Eiringhausen, wo er lange Jahre unterrichtete. Die Leitung
der Ohler Gemeinschaftsschule übernahm der verdiente Pädagoge
im Juni 1954. Hauptlehrer Benfer hat sich auch außerhalb seiner
schulischen Tätigkeit im Dienste des Naturschutzes, des SGV und
der Volkshochschule Verdienste erworben.
Den mannigfachen Glückwünschen, die ihm zu seinem gestrigen
40-jährigen Jubiläum entboten wurden, schließt sich das Süderländer
Tageblatt, zu dessen Mitarbeitern er gleichfalls seit vielen
Jahren zählt, in herzlicher Weise an.
Westfälische Rundschau, Ausgabe Lennetal, Dezember 1958
Dank der Schüler
Seit 40 Jahren ist Hauptlehrer Wilhelm Benfer, der gegenwärtig die
Gemeinschaftsschule Ohle leitet, als Pädagoge in Plettenberg tätig.
Aus diesem Anlass überbrachten Stadtdirektor Lenjer, der Leiter des
Schulamtes, Günzel, der Vorsitzende der Schulpflegschaft, Alte,
Pastor Grünberg für die evangelische Gemeinde und der Ohler
Ortsvorsteher Ewald Baberg Glückwünsche und Geschenke. Tausende
von Kindern sind während dieser 40 Jahre bei dem Pädagogen Benfer
in die Schule gegangen. Die genaue Zahl ließe sich mit etwas Geduld
berechnen. In Zahlen nicht auszudrücken ist jedoch, was Wilhelm
Benfer für den Landschaftsschutz und den Ruf der Stadt Plettenberg
ganz allgemein getan hat. Die "Häher" - junge Menschen, die sich
mit besonderer Liebe dem Wald und seinen Lebewesen widmen - sind
im wesentlichen sein Werk. Immer wieder haben seine Schüler auch
nach Beendigung der Schulzeit den Weg zu Wilhelm Benfer gefunden,
haben vielleicht eine seiner ausgezeichneten biologischen Wanderungen
mitgemacht oder sich sonst einen Rat bei ihm geholt. Dafür an
seinem Jubiläum Dank zu sagen, war vielen eine schöne Pflicht.
Quelle: Schulchronik der Gemeinschaftsschule Ohle, 05.12.1958
40-jähriges Berufs-Jubiläum des Schulleiters |